Urlaub mit SY Hiddensee „Auf dem Landweg mit eigenem Schiff an die Adria“

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Das Problem war der Überbreitentransport der Yacht Typ Hiddensee (Länge 8,04 m,  Breite 2,84 m) durch 3 Länder mit unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen.

In Vorbereitung des Transportes mussten in Deutschland, Österreich und Italien eine Ausnahmegenehmigung zur Beförderung von Ladung mit Überbreite und zur Benutzung von Autobahnen oder Kraftfahrstraßen beantragt werden.
– In Deutschland kein Problem. Bei Ordnungsamt beantragt. Gesamtes Bundesgebiet für ein Jahr 80,00 DM.
– In Österreich „modorat“ beim  Landeshauptmann beantragt in dem Bundesland, in dem Zugfahrzeuge und Hänger in das Bundesgebiet eingebracht werden oder bei dem die Fahrt mit dem überdimensionalen Fahrzeug beginnt.  Die Kosten für eine Bewilligung hängen von mehreren Faktoren ab, unter anderem von der Anzahl der Fahrten, der Anzahl der betroffenen Bundesländer, der eingesetzten Fahrzeuge und der Art des Transportes.  Genehmigung für vorgegebene Fahrstrecke zu drei Terminen (Vom Mitte Mai bis Mitte Juli) 380,00 DM. Gelbes Rundumlicht auf Anhänger und Zugmaschine muss gefahren werden, ebenso rot/weiss gestreifte Tafeln vorne und hinten an der Ladung. Tunneldurchfahrten zu vorgeschriebenen Zeiten!
– In Italien „schlimm“ –  ist auf privater Basis nicht möglich!!! Überbreiten-Genehmigungen sind nur mit sehr hohem Aufwand zu bekommen. Deshalb musste über eine Internationalen Spedition die Genehmigung beschafft werden. Das ging soweit das dafür Prokura erteilt werden musste!!! Genehmigung für vorgegebene Fahrstrecke zu drei Terminen an drei festgelegten Tagen (21.05.98, 1. Hinfahrt, 22.06.98, 2.Hinfahrt, 20. 07.98 1. Rückfahrt) je 2000,00 DM
Da beim Transport am 22.06.98 die Autobahnabfahrt Monfalcone verpasst wurde, wurde das Gespann aus dem Verkehr gezogen und  eine Nachgenehmigung in der nächsten Kreisstadt mußte beschafft werden (450,00 DM ). Viel aufwendiger waren aber die zu beschaffenden Dokumente. Am aufwendigsten war das „Scheda Tecnica“, eine italienische Zulassung für Zugfahrzeug und Hänger durch den jeweiligen Hersteller, da die deutschen Dokumente nicht ausreichend waren.

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Wir haben 4 Monate auf die Bewilligung für  Italien gewartet und das mit Hilfe einer internationalen Spedition.
Überbreite und Italien: Vergiss es! Vor allem als Privatmann!

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14jahre

Neuigkeiten vom Achterwasser und Oderhaff (18.12.2014)

AchterwasserLieber Segelfreunde,

Laufers Jahrestörn führte binnen nach Stettin und über den östlichsten
Mündungsarm der Oder außen wieder zurück. Manches Neue war zu entdecken, was
dem einen oder anderen schon bekannt sein mag.

Neuer Hafen Stagnieß:

Er kann jetzt sicher bis 2.00 m Tiefgang angelaufen werden. Liegeplätze sind
gut geschützt; ringsum Bäume. Ansonsten ist der Hafen aber eine
Katastrophe!!
Die Bilder sprechen für sich!
Die Boxen sind viel zu kurz. Die 21 kleinen Boxen sind 9 m lang und unser
Boot mit 2.78 m BüA passt gerade rein! Um sich am Waschbecken im neuen
Toilettengebäude zu waschen muß ‚Eintritt‘ (20 Cent) in die Waschkabine
bezahlt werden – zusätzlich kommt dann noch der 1.- Euro zur Benutzung des
Waschbeckens hinzu!!! Deshalb gehen die Segler zum Waschen und Duschen auf
den benachbarten Campingplatz, wo auch die Liegegebühr beim Platzwart zu
entrichten ist. So ist das Sanitärgebäude mit Hafenmeisterbüro ein total
überdimensioniertes WC, denn nur als solches wird es von den Seglern
benutzt!
In diesem Hafen wurden mehrere 10 000.- Euro sinnlos versenkt. Die
Gemeindeangestellten halten mit ihrer Meinung über dieses Objekt nicht
hinter dem Berg! Der planende Ingenieur habe sich von den einheimischen
Seglern nicht belehren lassen und die Gemeinde das so akzeptiert.

Altwarp:

Dank rückläufiger Fischerboote findet man in Altwarp immer Platz. Im
‚Haff-Stübchen‘ kann man gut Fisch essen! Nach Neuwarp fährt man am besten
mit dem Fährkutter. Ist sehr schmuck geworden!! Es gab nämlich viel Geld aus
der Zeit des Butterdampfertourismus an die Gemeinde zurück – per
Gerichtsbeschluss! Der polnische Staat wollte nämlich die Anlegegebühr
einbehalten. Für die Altbausanierung gibt es zinslosen Kredit!!

Ziegenort:

Das Seglerzentrum wird immer ungepflegter. Allerdings sind die jungen Leute,
die Hafendienst machen, sehr zuvorkommend und freundlich! Ruhiger liegt man
im Becken südlich davon. Die beiden kleinen Kneipen direkt am Hafen sind
sehr zu empfehlen. Das Bier wird gut gezapft und schmeckt!

Stettin:

Wie immer noch am besten in der Marina Goclaw fest machen und mit der Tram
Nr. 6 ins Centrum fahren. Achtung: Fahrkartenverkauf in allen Kiosken, die
ja zahlreich sind! Nicht mehr in der Tram! Mehrere Kioske in Marinanähe!

Lubin und Wapnica :

Der alte Fischerhafen von Wapnica ist sehr gut saniert. Alles da! Von dort
sind es knappe drei Kilometer bis zur auf der Höhe gelegenen Kirche von
Lubin. Dort gibt es interessante Ausgrabungen und eine kleine Kneipe mit
fantastischem Ausblick auf das Oderdelta! Grandios!   Achtung1 Von Tonne zu
Tonne hangeln, dann kommt man gut durch die Stellnetze vor allem an der
Steilküste bei Lubin. Wer im Sommer an den Strand von Mistroy will, sollte
das lieber sein lassen. Belegter als jeder Strand auf Rügen!!!

Wollin:

Der Weg über den östlichsten Mündungsarm der Oder ist durch zwei feste
Brücken mit 12.40 m Höhe ausgezeichnet. Wolliner Segler krängen ihr Boot mit
lebendem Ballast, der jeweils auf der anderen Seite an Land gesetzt wird.
Die Mannigfuald kam mit 20 cm Freiraum unten durch. Inzwischen gute
Anlegemöglichkeiten in Wollin. Nach Wollin eröffnet sich eine sehr reizvolle
und einsame Landschaft. Ankerfreude pur! Am Morgen krähende Hähne
garantiert. Bis 1.70 m Tiefgang gut zu machen.

Kamien Pomorski:

Das Städtchen hat jetzt eine erstklassige Marina. Man spricht deutsch und
akzeptiert Bezahlung in Euro. Orgelmusikfreunde sollten sich nach Konzerten
erkundigen. Sehr freundliche Hafenmeister. WLAN in Hafenbüronähe.

Dievenow:

Das Städtchen an der Mündung hat jetzt auf der Binnenseite hinter der Brücke
neue Liegeplätze. Öffnungszeiten alle zwei Stunden zur geraden Stundenzahl.
An der Brücke Tankstelle.

Swinemünde:

Auf der Ostseite der Einfahrt ist jetzt ein großes Hafenbecken fertig
gestellt. In der Marina werden nach wie vor nur Zloty angenommen!!!!!!! Eine
kleine Wechselstube gibt’s jetzt am Hafen. Macht euch die Mühe eines
Spaziergangs zum Kaffee im Cafe im Kirchturm! Die Stadt verändert sich
rasant, vor allem die Promenade. Ob immer zum Guten, ist die Frage! Die
Konkurrenz im Westen muss aufpassen!

Wer noch nicht tief im Haff war, sollte es mal versuchen. Das einzig
hinderliche sind die Stellnetze.

Komm gut durch den Winter und träum vom Boot ( Letzteres gilt natürlich
nicht für Annette und Thomas!!!!!)

schlowly und Hildegard

Aus Anlass des Mauerfalls vor 25 Jahren

Seesegeln zu Zeiten der DDR
Die Bilder sind aus „Horst Theer Chronik der Leipziger Seesegler 2003“
Der Artikel ist veröffentlicht in „Zeitzeugen der Uni Leipzig“

Ein Bericht von unserem Gastmitglied Conrad Keilitz, YC Leipzig

Wie kommt ein Leipziger zum Segeln überhaupt – und zum Seesegeln im Besonderen? Ganz einfach – durch Zufall. Meinen Urlaub an der Ostsee auf Rügen verbringend, lernte ich in den 50er Jahren bei einer Wanderung nach Seedorf einen jungen Mann kennen, der mich zu einer Segeltour am nächsten Tag rund um die Insel Vilm einlud. Pünktlich dort angekommen machten wir das Boot klar, es war ein sehr schönes Holzboot von etwa sieben Meter Länge und etwa 1,5 Meter Breite. Da ich völlig unbedarft an Bord gegangen war, hielt ich mich sehr zurück und befolgte lediglich die Anweisungen meines „Kapitäns“. Strahlende Sonne, leichter Wind, das leise plätschern des Wassers – so erreichten wir den Rügenschen Bodden und ich war begeistert. So schön hatte ich es mir nicht vorgestellt!

Sonnenverbrannt, aufgeregt und mit überquellenden begeisterten Worten berichtete ich meiner Familie am Abend von dem Ereignis. Meine Frau und meine noch zwei kleinen Kinder konnte ich anstecken, so dass ich zwei Tage darauf mit dem Trabbi nach Rostock fuhr und mit dem Geld von der Töchterversicherung der Schwiegereltern für meine Frau ein kleines Kunststoffsegelboot und zum Transport einen Dachgarten für den unverwüstlichen Trabbi kaufte. Das alles für etwa 2.500 Mark. Klar, dass das Boot bereits am nächsten Tag auf dem Selliner See seine Jungfernfahrt hatte – meine Familie und ich waren überglücklich. Wir passten gerade so zu viert in die kleine Nussschale.

Mitglied in einem Segelverein

Nun wurde auf dem Dammmühlenteich bei Frauwalde oder auf den Berliner Gewässern gesegelt, bis ich wieder durch Zufall von dem Elsterstausee bei Knauthain im Süden von Leipzig erfuhr. Dort gab es mehrere Segelvereine, einem schloss ich mich an. Auch ein größeres schönes Segelboot – ein sogenannter „Pirat“ – wurde gekauft. Diese Boote wurden in der Yachtwerft Berlin gebaut und hin und wieder, wenn die für den Export nach dem Westen bestimmten Boote mal nicht abgenommen wurden, waren sie für DDR-Bürger für 3200.- Mark erhältlich. Ich hatte das Glück und unser erstes kleines Boot, was verächtlich wegen seiner gedrungenen Form „Badewanne“ genannt wurde, fand einen neuen Besitzer.

In den 60ziger Jahren hatte der Stausee noch die volle Größe und es wurden Regatten gesegelt. Es gab ein reges Sportleben mit Kinder- und Jugendgruppen. Drei Betriebssportvereine und die GST (Gesellschafft für Sport und Technik) waren dort ansässig. Es wurde ausgebildet. Der Segelschein „Binnen“ und „Küstenfahrt“ konnte erworben werden. Ein paar Sportfreunde, vor allem die Siegreichen, fuhren auch zu den DDR-Meisterschaften oder zu anderen Regatten nach Berlin oder dem „Süßen See“ bei Halle, und belegten dort beachtliche Plätze. Die Boote wurden auf zum Teil selbstgebauten Trailern am PKW transportiert.

In den dortigen Vereinen gab es eine kleine Anzahl von Sportfreunden, die schon seit 1954 Seeluft schnupperten. Die sind auf der Ostsee auf Berliner Yachten mitgesegelt, hatten sogar Yachten in eigener Regie überlassen bekommen und stellten auch die Schiffsführer. Heute nennt man das Charter und kostet richtig viel Geld. Die Überlassung von Booten durch die Berliner wurde mit ganz kleinen Beträgen abgegolten. Man rechnete mit etwa 200 Mark pro Besatzungsmitglied für einen Törn von 14 Tagen. Die Bahnfahrt z.B. nach Stralsund und zurück sowie die Verpflegung für diese Zeit war darin enthalten. Die Gemeinschaftskasse verwaltete meistens der „Smut“ (Koch) und nur wenn der Durst oder Hunger der Mannschaft übermäßig war, musste nachgelegt werden.

Bau einer Yacht in Leipzig

Und wie das ebenso ist – man will mehr – es entstand der verrückte Gedanke von einer eigenen Leipziger Yacht. Die Initiatoren wurden erst belächelt, aber es wurden immer mehr Sportfreunde, die dazu kamen und das Projekt nahm Formen an. Viele arbeiteten in VEB-Betrieben in Positionen der Leitung, oder hatten gute Verbindung dorthin. Dadurch wurde der sogenannte Direktorenfond angezapft. Einige hatten Zugang zu anderweitigen Fonds.

Dann wurde ein Verein gegründet, dem etwa 30 Sportfreunde angehörten. Ab 1967 wurde bei den Betrieben, den Sportorganisationen, beim Rat der Stadt und sonst wo um die Finanzierung gefeilscht – hin und wieder mit Erfolg. Und so sammelte sich ein erkleckliches Sümmchen zusammen. Das Fehlende wurde mit zinslosen Darlehen von der mittlerweile auf etwa 60 Sportfreunde angestiegenen „Trainingsgemeinschaft Seesegeln“ aufgebracht. Mit Einlagen von 100 bis 500 Mark beteiligten sich fast alle Mitglieder, so dass am Schluss die für damalige Verhältnisse stolze Summe von 75.000 Mark aufgebracht wurde. Nun konnte in einer kleinen Brandenburgischen Werft der Rohbau eines Segelschiffskörpers bestellt werden.

So stand eines schönen Tages im Mai 1969 der Schiffsrumpf einer Segelyacht in der Messestadt Leipzig und wurde bestaunt. Jetzt begann die eigentliche Arbeit. Wir hatten uns vorgenommen, bis auf die Holzarbeiten an dem Deckshaus und des Innenausbaues, das der Bootsbauer Herold ausführte, alles selbst zu bauen und zu bearbeiten.

Nun wurden Gruppen gebildet, die die einzelnen Arbeiten ausführen sollten. Es war bestens organisiert. Ich war zu den Rostschutz- und Innenanstricharbeiten eingeteilt und später, da es meinem Beruf nahekam, zu der Elektroinstallation. Wie die Ameisen werkelten die einzelnen Gruppen. Fast jeder konnte aus seinem Betrieb Material „umlagern“, deshalb mussten nur sehr spezielle Materialien gekauft werden. Hätten wir einen Sportfreund bei der Post gehabt, hätte die Yacht möglicherweise einen gelben Anstrich bekommen. Zimmerleute bauten auch ein Transportgestell, um das Boot auf einem Tieflader an die Ostsee zu bringen. Viele Details wurden von Mitgliedern in ihren Betrieben gebaut oder man ließ es von Kollegen bauen und galt das mit eigenen anderen Leistungen, an die der helfende Kollege nicht herankam, ab.

Es war erstaunlich, wozu die Gruppe fähig war. Der Mangel an vielen zum Bau benötigen Dingen erforderte große Initiativen. Nach der Devise – der Eine kam an irgendein Material heran – ein Anderer kannte einen, der das bearbeiten konnte und wieder einer konnte mit seiner Leistung die Anderen abgelten. Auch ein Dieselmotor, der eigentlich in eine Baumaschine gehörte, wurde aufgetrieben und eingebaut. Diese Gemeinschaft setzte sich aus fast allen Berufen zusammen, und alle waren wir verbunden durch die ungewöhnliche und schöne Aufgabe. Der Eine gab sein Wissen, der Andere seine Facharbeit. Jeder gab sein Bestes und nach dem Herbst und Winter 1969/70 war es geschafft.

Überführung an die Ostsee und Schiffstaufe

Nun kam die Yacht nach Stralsund, um in ihr eigentliches Element zu gelangen. Hier hatte natürlich der Fahrdienstleiter eines großen Betriebes die Hände im Spiel. Dieser Transport wurde mit einem „betrieblichem Interesse“ verbunden. Der Mast war schon, auch auf diesem Wege, irgendwie vom Berliner Mastenbauer dorthin gelangt, so dass eine Fachfirma ihn auf dem Boot fest installierte. Man nennt das bei Seglern – es wurde aufgeriggt. Unter den Augen des angereisten Konstrukteurs kam der Ballast in den Kiel, die letzten Handgriffe wurden getan und die Schiffstaufe konnte vollzogen werden. Wir tauften am 11. Juli 1970 unsere erste Leipziger Yacht auf den Namen „Wappen von Leipzig“ und ein wunderschönes Leipziger Stadtwappen in kunstvoller Ausführung, die Spende einer beteiligten Sportfreundin, schmückte das Heck.

Probleme bereiteten die Genehmigungen

Schon in der Bauzeit hatten wir eine Satzung ausgearbeitet und beschlossen, in der alle Modalitäten der Nutzung und Erhaltung, sowie die weitere Finanzierung festgelegt waren. Auch wurde die Zeit von den Meisten genutzt, den mindesterforderlichen Segelschein „Küstenfahrt“ zu erwerben. Ein großes Problem war es, die in der „größten DDR der Welt“ übliche nötige Rechtsträgerschaft für sportliche Aktivitäten zu erlangen. Die staatlichen Sportverbände hatten bis dahin noch nicht erlebt, dass aus privater gemeinschaftlicher Initiative ein Sportgerät entstanden war, das jetzt registriert werden musste. Sehr viel Papier musste beschrieben werden, um zu einer für alle zufrieden stellenden Lösung zu kommen. Hier wurde von unserem Leiter so geschickt argumentiert, dass die staatlichen Stellen einer Lösung zustimmten, die einmalig war. Wir waren unabhängig geblieben, was ja auch unser Bestreben war!

Der Mauerbau, der sich natürlich auch auf die Seegrenze auswirkte, lag bereits 9 Jahre zurück. An den Ostseestränden waren „Schwimmkörper“ wie Luftmatratzen nur im mit Bojen abgegrenzten bewachten Bereich erlaubt – man hätte ja damit nach Dänemark paddeln können. So bedurfte es besonderer Genehmigungen, um die Seegewässer der DDR, das waren 3 Seemeilen (etwa 5,5 km), vom Ufer hinaus auf See besegeln zu dürfen. International sind 12 Seemeilen üblich. Die auf den Wachtürmen, der Küste entlang installierten Suchscheinwerfer reichten tatsächlich 6 km. Wir waren auch des Nachts in der „Obhut“ der Staatsmacht.

Die „Nachtsegelgenehmigungen“, die extra beantragt werden mussten, wurden in den 80er Jahren kaum noch erteilt. Es sind doch einige über See „nübergemacht“. Solche Ereignisse führten regelmäßig zur Verschärfung der Genehmigungsprozedur. Wir „Da-gebliebenen“ waren die Angeschmierten. Um an Regatten, die weit über diese Grenze hinausführten, z.B. „Rund Bornholm“ oder Gemeinschaftsfahrten nach Polen oder die SU teilzunehmen, war es nötig, wieder eine andere Genehmigung zu erhalten, was uns den ganzen Winter beschäftigte, die erforderlichen Formulare auszufüllen. Außerdem musste auch der Betrieb, in dem man arbeitete, oder bei Selbständigen, wie bei mir, die Handwerkskammer, eine Beurteilung über den Antragsteller abgeben. Das hieß: „Beurteilung der übergeordneten Dienststelle“.

Wir haben zwar mit den Zähnen geknirscht, aber die Sehnsucht nach Wind, Wellen, frischer Luft und die maritime Gemeinschaft hat uns das leicht ertragen lassen. Man kannte es eben nicht anders. Es wurde ähnlich wie bei NSW-Reisen (Nicht Sozialistisches Wirtschaftsgebiet) gehandhabt. Hatte einer einen Verwandten ersten Grades dort, das waren Eltern oder Geschwister, so hatte er ganz schlechte Karten, die Ablehnung war fast sicher. Mir sind Wenige bekannt, die trotzdem die Möglichkeit erhielten. Auch die Genehmigung für Ehepaare zum gleichen Törn an Bord zu beantragen, hatte nicht viel Sinn. Wegen der erhöhten Fluchtgefahr war die Ablehnung vorprogrammiert. So segelten eben die Ehepaare getrennt zu unterschiedlichen Zeiten. Das klappte.

Zu den Erfordernissen an Bord

Die Yacht wurde wie ein Segelschulschiff betrieben. Bereits im Winter wurden die sogenannten Törns eingeteilt. 5 bis 6 Sportfreunde benutzten die Yacht 14-tägig von Mai bis Oktober. Jedem Törn stand ein Schiffsführer (Kapitän) vor, der zugleich Ausbilder der Mannschaft war und dafür einen speziellen Ausweis benötigte. Wer sich seemännisch vorbildlich verhalten hatte, konnte im nächsten Jahr mit einer Beförderung in der Hierarchie an Bord rechnen. Manche wurden nie befördert – andere dagegen dienten sich schnell zum Steuermann oder gar Schiffsführer empor. Die sogenannte „Freistellung“ von der Arbeit konnte in den Betrieben beantragt werden und wurde fast immer genehmigt, wenn, was gesetzlich geregelt war, eine „sinnvolle sportliche Betätigung“ vorlag. Nun waren alle Seetörns als wichtige Ereignisse dargestellt, wie Internationale Regatten oder Ausbildungs- und Trainingsveranstaltungen, so dass für etliche noch ein kleiner Zusatzurlaub herauskam. Da wir Leipziger durch unsere alten Herren, die ja schon auf fremden Yachten in den 50er Jahren gesegelt waren, eine hervorragende Ausbildung hatten, und uns auch in Bezug auf Navigation und Wetterkunde ständig weiterbildeten, war das Misstrauen der nordischen einheimischen Segler bald beseitigt. Nach wenigen Jahren wurden auch wir anerkannt.

Einen Vorteil bildete in der damaligen Mangelzeit die Unterstützung durch die Fischereigenossenschaften, die uns in ihren Geschäften die subventionierten Waren wie Tauwerk und Ölzeug und auch teilweise technische Artikel einkaufen ließen. Wir sahen dann zwar wie Fischer aus, aber die Preise für Tauwerk in der Berliner SPOWA (staatl. Sportwaren) waren wesentlich höher. Von den beliebten Latzhosen kaufte man gleich mehr als man brauchte, um Andere wiederum zu versorgen. Wann wieder Ware da war, konnte sehr ungewiss sein.

Die damals einzige uns zugängliche Fachzeitschrift für den Segelsport nannten wir spöttisch „Segelbummi“, da hier wenig Interessantes zu lesen war. Hatte sich aber im Hafen herumgesprochen, dass sich auf irgendeiner Yacht die Westzeitschrift „Die Yacht“ befindet, die den schwierigen Weg über Tante oder Oma eines Sportlers in die DDR gegangen war, so wirkte das elektrisierend. Man lieh sich das schon etwas zerfledderte Exemplar aus, machte sich Notizen und zeichnete technische Einzelheiten für den Nachbau von für uns unzugängliche Ausrüstungen ab. Teilweise kamen die Nachbauten dem Original sehr nahe.

Der Bau eigener Boote

Nun gab es aber in dieser Gemeinschaft Leute, denen nach ein paar Jahren diese zwar schöne, aber zeitlich begrenzte Segelei nicht genügte. Ausgebildet und zum Schiffsführer hinaufgedient, wollten sie noch mehr und der Wunsch auf ein eigenes Boot wuchs. Die Ersten waren vier Sportfreunde, zu denen ich gehörte, die eine kleine gebrauchte seegehende Yacht gemeinschaftlich erstanden. Es dauerte nicht lange und es begann der Eigenbau von Booten fast jeder Größe.

Mittlerweile wurden in der DDR die Grundstoffe für glasfaserverstärktes Polyester, was sich zum Bootsbau eignet, im Handel angeboten. Gleich nutzten einige Sportfreunde diese Möglichkeit. Wieder andere kauften gebrauchte Yachten und verbesserten und modernisierten sie. Auch der Sportverband sorgte für eine Bauform, die man sich ausleihen konnte, um eine seegehende Yacht vom Typ „Hiddensee“ selbst zu bauen. Diese Form gelangte auch nach Leipzig und etwa 8 Yachten dieses Typs wurden gebaut. Alle halfen sich gegenseitig, denn ein solches Unterfangen gelingt nur bei entsprechender Temperatur und einer gewissen zeitlichen Abfolge wegen des Aushärtens. Das klappt nur, wenn eine eingespielte Truppe die Sache angeht.

Seit dem Bau und der Inbetriebnahme der „Wappen von Leipzig“ im Jahre 1970 kamen weitere 24 Leipziger seegehende Yachten durch Selbstbau oder Kauf von Gebrauchten bis 1989 hinzu. Auch unter den widrigen Umständen, die sich durch Mangelwirtschaft und den zum Ende der DDR hin zunehmenden Schwierigkeiten bei den Genehmigungen darstellte, gab keiner auf. Leipziger Yachten waren in allen Ostseehäfen der DDR, der SU und Polen präsent und viele Fragen wegen des ungewöhnlichen Heimathafens Leipzig mussten beantwortet werden.

Ausgangspunkt für alle unsere Aktivitäten war die Begeisterung, die von dem Bau der ersten Leipziger Yacht ausging, die vorzügliche seemännische Ausbildung sowohl praktischer wie theoretischer Art, die Liebe zum Wasser und der Gemeinschaft.

Mit dem Jahre 1989 begann eine neue Segelzeit. Wir lernten die westlichen, bis dahin tapfer gemiedenen Häfen kennen, und hießen die Segler aus den alten Bundesländern in unseren, damals noch recht primitiv anmutenden Häfen, herzlich willkommen.

SY „Lipsia“   Die Schiffsübernahme; die Schiffstaufe; der erste Törn; die ersten Regatten. Ein Erlebnisbericht

Im Frühjahr 1985 fieberten wir der Fertigstellung unserer neuen Yacht, der SUND entgegen. Mit der Werft war abgesprochen, daß wir die DDR-Meisterschaften 1985 wahrnehmen können.
Im Mai begannen dann emsige Telefonate mit der Werft, in denen wir den Übergabetermin für Mitte Mai bestätigt haben wollten und die Werft um Unterstützung bei der Material- und Ausrüstungsbeschaffung nachsuchte.
Die erste Enttäuschung war die Erkenntnis, daß der Start zu Rund Rügen nicht statt finden würde.
Versprechungen seitens der Werft, daß die Ostseewoche aber auf alle Fälle möglich sein könnte, waren nur leere Worte.
Unabhängig davon hat das Team Jochen Brennecke, Winfried Heiner und ich, Frank Heyme, die Zeit genutzt, aber auch gebraucht, um die fehlenden Ausrüstungsteile zu beschaffen. Feuerlöscher, Forelle, Seekarten, Schwimmwesten Rettungsring usw., usw., waren noch die kleinste Anstrengung. Ziel war allerdings, diese Gegenstände ohne Geld zu beschaffen, denn das hatten wir einfach nicht. Also wurde organisiert und geschnurrt, dem DTSB kleine Geldmengen abgeluchst, obwohl der noch nicht einmal die fälligen Geldmittel für die Abschlußrate der Werft zusammen hatte.
Schwierige Probleme waren das aber nicht. Schwierige Probleme taten sich auf, da die Werft nicht in der Lage war, für dieses Schiff Schotwinschen, Spi-Bäume, Spi-Winschen, Fallwinschen, Fallenstopper und einen Spinnacker bereitzustellen.
Für diese schwierigen Dinge war Winfried „Winni“ Heiner zuständig, der in einer lauen Mai-Nacht mit mir und Jochen zusammensaß und dabei die Winschen, die Motoraufhängung und dieSchnappschäkel konstruierte. Natürlich hat er diese Teile dann auch gebaut und in Greifswald auf der Werft am Schiff montiert. Dabei hat er auch beiläufig zwei Spi-Bäume aus Holz gebaut, die wir im ersten Jahr mit Bändseln am Mast und am Spi befestigt haben und hat den Schiffsnamen in Selbsklebefolie ( von der DEKO-Abteilung des Konsums besorgt )gefertigt und kunstvoll angeklebt!
09.07.1985: ein Tag vor der Schiffsübernahme wurden wir mit dem Durcheinander der letzten Handgriffe der Werft am unserer SUND konfrontiert. Wir entdeckten, wie spartanisch, ja wie primitiv die Ausrüstung des Schiffes war. Der Mast war ein Stück zusammengeleimter Astlöcher! Wir mußten auch erfahren, was alles nicht zur Erstausrüstung gehört! – Also sind Winni und ich in Greifswald unterwegs gewesen und haben eingekauft, z.B. einen Anker.
10.07.1985: Dieser Tag war genauso hektisch wie der vorhergehende, aber am Nachmittag sollte die Schiffstaufe sein. Am Morgen wurde ich zum Werftleiter bestellt, um die Übergabeformalitäten vorzubereiten. Es wurde ein Protokoll verfertigt, der Taufzeitpunkt festgelegt und die Zeremonie abgesprochen. Außerdem fragte der Werftleiter im Namen des Werftkollektives, wo denn nach der Taufe die Fete stattfinden solle. Daran hatten wir mit keinem Gedanken gedacht und auch kein Geld dafür eingeplant. Aber die Frage wurde mit einem gewissen Nachdruck gestellt, so daß wir ganz schnell mit selbstloser Unterstützung der Werft einen Raum im Greifswalder Ratskeller, dem damals besten Hause am Platz, reserviert bekamen.
Das Schiff lag am Nachmittag über die Toppen geflaggt am Werftsteg und sah einfach gut aus. Zur Taufe sprach der Werftleiter mit Routine die passenden Worte und reichte mir die Flasche Sekt zur Taufe. Also habe ich dann auch einige Worte gesagt und das Schiff auf den Namen „LIPSIA“ getauft, den Korken knallen lassen und das Schiff mit Sekt gewässert. Winni war mit uns Beiden zufrieden und wir konzentrierten uns auf die Fete im Ratskeller. Ich erinnere mich, daß wir uns sehr angestrengt haben, eine dem Anlaß entsprechende „Fetenleistung“ zu zeigen. Danach haben wir die erste Nacht auf unserem neuen Schiff verbracht.
11.07.1985: Der erste Törn mit der „LIPSIA“:   Mannschaft: „Winni“ Heiner und Frank Heyme
Morgens mit Motor von Greifswald nach Wieck und dann
11:00 Uhr Greifswald/Wieck – Rund Bohrinseln
13:00 Uhr Greifswald/Wieck fest.
Mit Motor zur Werft zurück; herrliches Wetter ; Wind W 2-3
Auf dem Heimweg nach Leipzig haben wir dann die Unzulänglichkeiten der Schiffsausrüstung beklagt. Alle Leinen nur aus gedrehtem Tauwerk mit „eingebautem Dehneffekt“ und der Satz Segel bestand aus Groß, Arbeitsfock und Genua II. Wie sollten wir mit diesen Provisorien die Boddenetappen und die Tonnenregatta erfolgreich absolvieren ?
„Winni“ versprach, sich der Sache anzunehmen. So konnte ich „beruhigt“ am 18.07.1985 zum Auslandstörn nach Riga auf der Mary Ann gehen.
Am 23.08.1985 sind wir, meine Frau Ute, Winni, seine Freundin und deren Tochter zu den Boddenetappen gestartet.
Winni hatte in der vergangenen Zeit nicht nur ausgiebige Grundstücke mit der Lipsia gekauft, er hat auch die Ausrüstung entscheidend und mit unwahrscheinlichem Aufwand in einen halbwegs akzeptablen Zustand versetzt.
Am 30.08.1985 sind wir dann die Tonnenregatta gefahren, schon mit Teilen der künftigen Regattamannschaft und, wie ich meine mit dem alten Spi der Wappen. von Leipzig.
Über den Winter haben wir dann mit Volldampf geplant, besorgt, getauscht und gebaut. Winni hat u.a. neue Schotwinschen entwickelt und gebaut ( die Gehäuse in Bronzeguß !), das Projekt einer Zweigangwinsch scheiterte an einem Spezialzahnrad, welches aus V2A hergestellt werden mußte. Für diese Arbeit gab es nur eine Maschine in der DDR und die stand im Jagtwaffenwerk Suhl. Wir kannten später auch den Maschinenführer der Maschine, doch wurde das Projekt aus heute nicht mehr nachvollziehbaren Gründen fallen gelassen. Im Frühjahr kam Jochen Brennecke mit einer gebrauchten Genua aus dem „Westen“und stiftete sie der Lipsia. Diese Genua war von einer 33 Fuß-Yacht, also viel zu groß für die SUND. Jule Guldbrand hat sie so geändert, das sie auf der LIPSIA paßte. Wir hatten so die größte Genua aller SUND’s und die wurde gefürchtet im Regattafeld.
Letzlich besorgte Achim Demont aus dem Vogtland jede Menge Manteline ( Anorak-Stoff ), der dann in Wismar zu einem wunderschönen Spi verarbeitet wurde und Bergsteiger-Seil für vernünftige Schoten und Fallen..
Ab dem Jahr 1986 hat die LIPSIA dann voll in das Regattageschehen eingegriffen. Die Erfolge bzw. die Plazierungen bestätigten die Entscheidung für das neue Schiff, obwohl Hannes Raue sich nie so richtig damit abgefunden hat. Für ihn gab es halt nur die Wappen von Leipzig, auf der wir alle das Seesegeln gelernt hatten.

Leipzig im Januar 2000                                                                           Frank Heyme

Segeln im Queen Charlotte Sound / Neuseeland (04.02.2013)

Segeln im Queen Charlotte Sound / Nee Seeland (04.02.2013)

Hey, liebe Segelfreunde und Frostbeulen im Norden!

Es war schoen unter dem Kreuz des Suedens im Queen Charlotte Sound, einem der Arme der Malborough Sounds am Nordende der Suedinsel Neuseelands, zu ankern und im Januar den Orion sehen zu koennen. Ich schreibe euch nicht, wie warm es im Cockpt beim Fruehstueck in der Bucht war, umsaeumt vom typischen Wald (mit vielen Farnbaeumen), der auch die Haenge der steil aufsteigenden Berge bedeckt und einen optisch duesteren Eindruck erweckt..

Unsere Freunde aus Christchurch hatten die Idee, eine Jacht zu chartern – mit schlowly als Skipper.

Nur vier Tage, aber beeindruckend. Und immerhin sind wir auf Cooks Spuren gesegelt. Eine tolle Leistung dieses Mannes, sich in diese langen Schlaeuche zu wagen. Ohne Motorbremse bei Gewaessertiefen von 40 bis 50 Meter  und erst 100 Meter vor der Kueste beginnenden Ankergruenden. (In 10000 Jahren werden die Sounds wohl Alpentaeler sein!! Hier hebt sich das Land.)

Dazu noch kraeftige Fallboen, die ueber die Saettel der Berge ringsum pfeifen und das Boot heftig am Anker zuppeln lassen oder es auf die Backe legen. Deshalb hatte auch unser 28 Fuss-Boot einen 20 Kilo-Anker und 40 Meter 8 mm-Kette, was sehr beruhigend war!! Jetzt weiss ich auch den Wert einer elektrischen Ankerwinsch zu schaetzen! Hihi!

Abgesehen von den sich schnell aendernden Wetterbedingungen gibt es noch eine Eigentuemlichkeit dieses Revieres. Lediglich vier Jachthaefen sind zu zaehlen, weshalb es heisst, zu ankern oder an einer Mooring vor einer Lodge anzulegen. Dort trinkt man ein Bier oder einen Wein (beides sehr gut) oder geniesst einen der wunderbaren Kaffee, die es hier gibt (kein Scherz!! Eine wirkliche Kaffeekultur.). So braucht man kein Liegegeld zu entrichten. Es gibt uebrigens viele einsame Buchten hier!

Ich habe mich zunaechst ueber die taegliche Meldepflicht unter Angabe des vorgesehenen Ankerplatzes gewundert. Es wurde mir aber sehr schnell klar, warum. Fuer den Revierunkundigen ist es bei Regen, Nebel oder Nachts schwer, eine Einfahrt zwischen den dunklen Berghaengen zu erkennen. Leuchtfeuer gibt es nur fuer die Faehre von Picton nach Wellington. Und GPS? Die Abdeckung durch die Berge ist zu gross, um genaue Positionen zu bekommen.  Deshalb wird das Revier  auch nichts fuer Chartererhorden werden – ganz abgesehen von der ueber 20stuendigen Anreise. Wer als segelfreudiger Tourist hierher – oder auch Hobart/Tasmanien – kommen sollte, verpasst etwas, wenn er nicht ein paar Tage  gesegelt ist.

Diesen Bericht schreibe ich bei unseren Freunden in Christchurch, weswegen ich auch noch etwas ueber die Stadt  und die Auswirkungen der Erdbeben 2011 schreiben will: Es war ein Schock fuer uns durch das zerstoerte Zentrum zu gehen! Das alte, so typsch englische Christchurch, das wir vor acht Jahren erlebt haben, wird es nicht mehr geben. Zuviel Substanz musste und muss noch abgerissen werden. Der Aufbau ist im Gang, jedoch zu langsam. Geschaeftsleute finden in den Vorstaedten neue, teilweise lukerativere Standorte. Viele Einheimische wuerden wieder im Zentrum eine Mietwohnung nehmen, aber nur wenn klar ist, wie die neue Umgebung aussehen wird.

Vororte sind nicht mehr bewohnbar, weil sie unter den Grundwasserspiegel abgesackt sind! Obwohl die Haeuser meistens unzerstoert sind. Die Schaeden in anderen Teilen der Stadt lassen viele Familien weg ziehen, so dass Schulen statt 900 Schueler nur noch 200 haben. Dass sich der Grund einer  Bay um zwei Meter gehoben hat und das Jollensegeln nicht mehr zulaesst, ist dagegen nichts. Wunderschoene Hanglagen sind zur roten Zone erklaert worden, weil Steinschlag (riesige Brocken) von den muerben Haengen droht.

Sehr schlimm ist das Zerbrechen sozialer Netzwerke, die ueber Jahre hinweg gewachsen sind. Ebenso die Tatsache, dass mit dem Verlust des Eigenheimes Lebenstraeume vernichtet sind. Viele haben nicht mehr die Mittel ein neues Haus zu bauen. Mietwohnungen gibt es kaum – wenn, dann fuer teueres Geld.

Ebenso wenig gibt es noch freie Container! Die benoetigt man nicht nur um geretteten Hausrat zu stauen, sondern auch um in ihnen Geschaefte, Cafes und Bankfilialen in abgerissenen Strassenzuegen einzurichten! Container, zwei uebereinander und bis zu 30 nebeneinander sind ein solider Schutz vor Steinschlag an Steilhaengen neben einer Strasse!!

Das nehmen die Kiwis (auf diese Bezeichnung sind sie stolz!!) aber mit einer bewundernswerten Gelassenheit hin, die auch ihre Lebensauffassung kennzeichnet. Offen, hilfsbereit! Fuer den Fussgaenger wird  schon fruehzeitig gebremst, Einfaedeln bei Engstellen ist kein Problem! Blinker genuegt. Und das Betaetigen der Hupe ist schlichtweg nicht noetig oder kommt niemandem in den Sinn.

Euere berechtigte Frage, ob wir denn rein gar nichts zuvor erlebt haetten, ueber das zu berichten waere, ist verstaendlich. Es kommt noch etwas, dessen koennt ihr euch sicher sein!  Nach dem Motto: wenn einer Reise tut……. Und wir sind zu viert!!

Bis dahin viele Kopfuebergruesse von den Laufers

Rund England mit dem Segelboot

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Ein Reisetagebuch von Steffi Fuchs

Stralsund, November 2003

Nun ist Herbst. Das Boot steht in der Halle, der Winter kann kommen. Wir sitzen im warmen Zimmer, lehnen uns zurück und erinnern uns an die Reise mit unserem Segelboot im vergangenen Sommer. Viele Jahre sind wir während des Urlaubs gesegelt, haben nach der Wende auch weiter entfernte Ziele angesteuert, das waren unter anderen Dänemark, Westschweden, Südnorwegen, die Elbe von Hamburg bis Cuxhaven, Helgoland, die Nordfriesischen, die Ostfriesischen, die Westfriesischen Inseln, das Ijsselmeer und die Kanäle der Niederlande. Diese Reisen waren sehr schön, aber alle hatten eines gemeinsam, der Urlaub war begrenzt, und somit saß uns die Zeit im Nacken. Schon beim Start mußten wir an die Rückreise denken. Da wir beide, mein Käpt´n und ich nun leider oder zum Glück nicht mehr arbeiten, taten sich im Frühjahr vollkommen andere Möglichkeiten auf. Die Planung einer längeren Reise begann schon im letzten Herbst. Ausschlaggebend war, daß wir uns gesund und fit fühlten, auch größere Belastungen auf uns zu nehmen, wer weiß wie lange noch! Wir waren uns beide einig, daß die Reise nach Westen gehen soll, denn die Gewässer vor der Haustür, Ostschweden und die östliche Ostsee überhaupt, können wir später auch noch befahren. Wir brauchten nicht lange zu überlegen. Nachdem wir letztes Jahr in den Niederlanden unterwegs waren, haben wir schon einige Übung mit dem Segeln bei Tide und Strom. Seekarten aus Papier und elektronische Karten, der „Mac Millan“ und einige Handbücher waren schon vorhanden. Nun hieß es dies alles auf das neue Segelrevier auszuweiten. Wir nahmen uns vor, von Stralsund aus Rund England und zurück nach Stralsund zu segeln. Zur „hanseboot“ bestellten wir für diese Reise die ersten Seekarten, zur „boot-Düsseldorf“ den Rest und außerdem eine Rettungsinsel. Nun werde ich die Beschreibung unserer Reise beginnen.

Unser Boot heißt „Playgirl“. Der Rumpf ist aus Stahl, 8 m lang und 3 m breit. Der Tiefgang beträgt 1,70 m. Der Dieselmotor, ein Yanmar, hat eine Leistung von 18 PS. Es ist gut ausgerüstet, sehr sicher, aber schwer, kurz und breit, die Segeleigenschaften sind also nicht optimal. Am 25. April wird das Boot mit dem Kran ins Wasser gehievt. Unser Hafen befindet sich in Stralsund an der Insel Dänholm. Diese kleine Insel liegt zwischen dem Festland und der Insel Rügen. Nach dem Aufriggen, der Montage der Windsteueranlage und der Solaranlage, dem Verstauen der Rettungsinsel und der beiden Klappfahrräder kommen der Computer, der Farbdrucker und die Radios an Bord. Das Navigationssystem wird installiert. Wichtig ist auch die Bordbibliothek. Der „Mac Millan“ muß zuerst genannt werden. Dazu kommen Küsten- und Hafenhandbücher, Wilfried Erdmanns „Nordseeblicke“, „Die Nordseeküste 1, von Cuxhaven bis Den Helder“, „Angeln von Bord“, „Naturführer“, „die Vögel Europas“ und Bücher zum lesen für unterwegs. Für diese Reise haben wir uns zusätzlich warme Unterwäsche und ordentliches Ölzeug angeschafft, denn wir rechnen mit Kälte und Regen. Außerdem nehmen wir, wie jedes Jahr, Schneeanzüge und Daunenjacken mit. Die Auswahl und Menge der Lebensmittel, die wir mitnehmen wollen, ist nicht einfach. Ich gehe davon aus, daß wir unterwegs ganz normal einkaufen gehen, denn für 4 Monate kann man nur bestimmte Nahrungsmittel bunkern, das sind Lieblingsgerichte als Konserven, wie Gulasch, Rouladen, Hackbraten, Frikassee, Königsberger Klopse, Kohlrouladen, Sauerkraut, Hühner- und Putenfleisch, sowie Wurst und Zwiebelfleisch im Glas. Ebenso wichtig sind Eintöpfe und Suppen, die man nur aufwärmen muß, oder Dinge die man wahrscheinlich nicht zu kaufen bekommt, wie etwa Kaffeefiltertüten. Auch die Genußmittel wollen wir nicht vergessen. Nirgendwo ist Kaffee, Wein und andere Arten von Alkohol so preiswert wie in Deutschland. Also, der Lieblingswein muß in größeren Mengen mit. Zum Schluß kommen noch Kartoffeln, Zwiebeln, frisches Gemüse und Brot für die ersten Tage an Bord. Diesel, Petroleum und Wasser werden gebunkert. Das kleine Beiboot, ein Ruderboot aus GFK wird auf seinem Platz auf dem Vorschiff verzurrt, das stabile Fenderbrett wird backbord an den Wanten festgebunden. Nach einem Probeschlag legen wir wieder am Liegeplatz an.
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Alles funktioniert bestens. Nun warten wir, es ist inzwischen der 5. Mai, auf den Ostwind, der im Frühjahr eigentlich regelmäßig bläst, um nach Westen zu segeln. Seit Tagen hören wir die Wetterberichte des Deutschen Seewetterdienstes Hamburg für die Nord- und Ostsee. Leider sind die Aussichten für uns nicht sehr günstig, denn westliche Winde sind vorherrschend.

Mi, 07.05. Stralsund, Dänholm

Am Mittwoch, den 7. Mai entschließen wir uns zum Aufbruch. Für Donnerstag ist östlicher Wind angesagt. Wir verabschieden uns von unseren Freunden. 19.00 Uhr holen wir die Festmacher ein. Mit Blick auf die Silhouette von Stralsund verlassen wir den Hafen, fahren mit Motor durch den Strelasund und weiter durch die Vierendehlrinne, vorbei an dem Hafen von Barhöft zur Bockreede, unserem beliebten Ankerplatz. 21.00 Uhr fällt der Anker auf der Reede in Ufernähe. Es scheint eine ruhige, klare Nacht zu werden und wir beschließen, sobald einer von uns beiden wach wird, den Anker zu lichten und zum großen Abenteuer zu starten. Der Wetterbericht um 21.05 Uhr, von Deutschlandradio, auf Langwelle 177 kHz, der uns die nächsten Wochen über die Wetteraussichten informieren wird, verkündet für morgen südwestliche Winde 3 bis 4. Aber uns hält nichts mehr, wir wollen nun endlich los und hoffen auf den angekündigten Ostwind.

Do, 08.05. Barhöft, Bockreede

04.00 Uhr können wir nicht mehr schlafen. Es scheint ein sonniger Tag zu werden.04.15 Uhr hieven wir den Anker und tuckern den Gellenstrom entlang. Bei dem Tonnenpaar 10 und 11, in der Mitte zwischen Wäldchen und Gellenleuchtturm gehen wir auf 270° und verlassen das Fahrwasser. Es gibt das erste Frühstück auf See. Schnell wird der Kaffee gefiltert, die Brote werden vorbereitet, rutschfest in der Spüle deponiert ebenso, die Kaffeepötte. Danach werden Groß und Genua gesetzt, es läuft ganz gut. Der Wind kommt aus Südsüdwest mit Stärke 4. Der Autopilot steuert, er ist unser „Dritter Mann“ und nimmt uns meistens die langweilige Arbeit an der Pinne ab. Er kann besser den Kurs halten, als der beste Steuermann. Das hat er schon oft bewiesen. Langsam verschwindet der Dornbusch. 09.00 Uhr sind wir am Darßer Ort. Vor uns sehen wir mehrere kleine Motorboote mit Anglern an Bord. Genau auf eines davon steuert unser Autopilot zu. Auf dem Boot ist kein Ankerball gesetzt, also gehen wir davon aus, daß es treibt und uns ausweicht. Als wir ganz nah sind, sehen, wir daß es ankert und wir können im letzten Moment, die Pinne in der Hand, den Kurs ändern. Ich rufe: „Wo ist der Ankerball?“ Ohne zu antworten greift der Angler in sein Boot und wirft uns einen Dorsch in die Plicht. Wir sind sprachlos und setzen unsere Fahrt in der alten Richtung fort. Der Fisch wird ausgenommen, geköpft und in einer Plastiktüte im Kühlschrank verstaut. 11.45 Uhr versuchen wir bei Südwestwind Stärke 2 mit dem Blister etwas mehr Fahrt zu machen. Nach 10 Minuten geben wir auf, wir haben den guten Willen gezeigt und ziehen unser pink/weißes Schönwettersegel zurück in den Bergeschlauch. Weiter geht es mit Motor. 17.45 Uhr dreht der Wind auf West und nimmt zu auf Stärke 4. Nun geht es gegen an. Wenig später baut sich eine Welle auf und wir fahren nur noch 3 kn. 19.45 Uhr dreht der Wind zum Glück zurück auf SW Stärke 3, wir erreichen unter Vollzeug 6,5 kn! Unser Ziel, der Großenbroder Binnensee ist schon in Sicht. Wir bergen die Segel und tasten uns langsam zwischen den Tonnen und der Mole entlang. Der See ist gleichmäßig um 3 m tief. 21.30 Uhr fällt der Anker nach 76 sm in der Nähe der Dehler-Marina. Die Meilen entnehmen wir dem elektronischen Logbuch, das automatisch die gesamte Reise aufzeichnet. Es sind die gefahrenen Meilen durch das Wasser und nicht abgesteckte Entfernungen auf der Papierkarte. Es ergeben sich durch Gegenstrom und Mitstrom ziemliche Unterschiede. Den ersten Tag unserer Reise beenden wir mit einem Cherry. Morgen wollen wir hier bleiben und uns noch etwas von den Aufregungen vor der Abreise erholen. Der Wetterbericht sagt für morgen noch südwestliche Winde an, ab Freitag soll endlich der ersehnte Ostwind wehen.

Fr, 09.05. Großenbroder Binnensee, Liegetag

Ein Pärchen Wildenten schwimmt um unser Boot. Plötzlich erheben sich die beiden in die Lüfte und landen auf unserem Vorschiff. Sie spazieren herum und lassen sich dann geruhsam nieder. Vielleicht suchen sie hier einen Brutplatz? Peter fotografiert sie aus unmittelbarer Nähe, sie ergreifen die Flucht. Zum Mittagessen gibt es den Dorsch in Butter gebraten.

Sa, 10.05. Großenbroder Binnensee, Liegetag

Der Wetterbericht meldet: schwachwindig später umlaufend 2-3, wir bleiben noch einen Tag. Das Wetter ist sommerlich warm, später wird es schwül. Viele kleine Eintagsfliegen finden es bei uns an Bord sehr gemütlich. Später kommen noch Mücken dazu und wir flüchten in die Kajüte.

So, 11.05. Großenbroder Binnensee

Nach einem Blick aus der Kajüte im Morgengrauen ist es für uns klar, wir wollen nicht länger warten. Schnell raus aus der Koje rein in die Fliessachen, denn früh am Morgen ist es trotz des Frühsommerwetters noch ziemlich kühl. Dann erleben wir eine Überraschung. Das gesamte Boot ist übersät mit schlafenden Mücken, wir schätzen mindestens 10.000 Stück. Nun beginnt eine wilde Jagd. Wir wedeln mit Handtüchern und klopfen auf Sprayhood und Segel. Es gibt keine Stelle ohne die lieblichen Tierchen. Zum Glück sind sie nicht angriffslustig und stechen nicht. 04.30 Uhr holt Peter den Anker auf, es ist diesig und der Wind weht schwach aus West. Wir motoren auf die ruhige Ostsee Richtung Nordwest zur Fehmarnsundbrücke. 06.00 Uhr wölbt sich über uns der gewaltige Bogen der Brücke. 10.00 Uhr setzen wir die Segel, denn der Wind hat wie schon im Wetterbericht 06.40 Uhr angekündigt, auf Südost gedreht und bläst mit mageren zwei Windstärken. Später nimmt er etwas zu und wir hoffen, daß es so bleibt. Da heute Sonntag ist, können wir die beiden Schießgebiete einfach durchfahren, prima. 13.15 Uhr ändern wir den Kurs nach backbord und haben 14.00 Uhr Laboe quer ab. Nun geht dem Wind die Puste aus. Wir bergen die Segel und fahren weiter mit Motor. 15.15 Uhr machen wir im hübschen Hafen in Kiel-Holtenau fest, nach 41 sm. Die Liegegebühr beträgt 6,10 €

Mo, 12.05. Kiel, Holtenau

06.40 Uhr hören wir den Wetterbericht. Er ist heute nicht ganz so wichtig, denn wir haben die Fahrt durch den Nord-Ostseekanal vor uns. 08.00 Uhr legen wir ab. Schwarze Wolken ziehen auf und es donnert in der Ferne. 08.30 Uhr fahren wir zur Neuen Schleuse, denn die Alte Schleuse (für Sportboote) war nur am Wochenende in betrieb. Nach Anmeldung über UKW-Kanal 12, Ruf: „Kiel Kanal IV“ und nach blinken des weißen Lichtes auf dem Signalmast (Einfahrt für Sportboote erlaubt) fahren wir in die offene Schleuse. Mit uns sind nur 2 kleinere Berufsschiffe in der Schleusenkammer Süd. 09.00 Uhr bezahle ich im Kiosk auf der Schleuseninsel 11,00 € Kanalgebühr und erhalte die Berechtigungskarte zum Befahren des Kanals. Nun entlädt sich das Gewitter genau über uns mit einem heftigen Regenguß. 09.30 Uhr verlassen wir die Schleuse und die Kanalfahrt beginnt mit Sonnenschein. Leider haben wir Westwind um 4, also Gegenwind. Mit der Geschwindigkeit von 5 kn werden wir die 98 km bis Brunsbüttel an diesem Tag schaffen. Die Häuser am Ufer werden seltener. Auf dem rechten Uferweg fährt eine sportliche Radfahrerin in die gleiche Richtung wie wir. Wir fahren unter zwei hohen Brücken durch, oben rollt der Verkehr. Nur wenige Sportboote sind unterwegs. Am Kanal sitzen ab und zu Angler. Da sehen wir auch die Radfahrerin wieder, sie macht gerade Frühstückspause. Nach einer halben Stunde überholt sie uns und winkt uns zu, wir winken zurück. Schon wieder steht am Ufer das Verkehrsschild: „Fähre“. Langsam fahren wir am Anleger vorüber. Die nächste Fähre ist eine Schwebefähre. Sie hängt an einer imposanten Eisenbrücke bei Rendsburg. Gerade fährt sie los. Für uns ist das ein nicht alltäglicher Anblick! Nach Rendsburg wird der Kanal wieder eintönig, es ist Zeit das Mittagessen zu zubereiten. Auf einem großen Containerschiff findet gerade der Lotsenwechsel statt. Es ist 17.30 Uhr und wir haben noch 20 km zu fahren, das wird langsam lästig. 19.00 Uhr ist endlich Brunsbüttel in Sicht. Wir fahren zur Bunkerstation und notieren die Öffnungszeiten. 19.30 Uhr machen wir im gemütlichen Sportboothafen fest. Es regnet, somit fällt ein Landgang buchstäblich ins Wasser. Im Hafen liegt ein großes Segelboot der Marinetechnikschule aus Parow. Wir kommen mit der Mannschaft ins Gespräch. Ihr Ziel ist Helgoland.

Di, 13.05. Brunsbüttel

Peter berechnet die Abfahrtszeit. Ich gehe noch mal einkaufen, ALDI und Lidl sind in der Nähe. Das Hafenbüro bleibt geschlossen. 13.00 Uhr legen wir ab und fahren zur Bunkerstation. Wir tanken 35 l Diesel. Danach motoren wir zur Schleuse, es ist inzwischen 14.00 Uhr. Zusammen mit einem kleinen Schlepper liegen wir in der großen Schleusenkammer, langsam geht es einen Meter abwärts. 14.30 Uhr sind wir auf der Elbe. Wie vorausgesagt haben wir Westwind 3 bis 4 bei ablaufendem Wasser. Wir setzen die Segel, Großsegel und Genua mit einem Reff. Wir halten uns außerhalb der roten Tonnen. Der Wind nimmt zu und es bilden sich hohe kurze Wellen. Die Genua wird eingerollt, der Motor gestartet. 16.45 Uhr queren wir die Fahrrinne. Schwarze Wolken kommen schnell näher und damit ein heftiger Regenschauer. Nur mit Motor erreichen wir Cuxhaven nach 18 sm. 17.45 Uhr machen wir in Cuxhaven im Seglerhafen fest. Wo bleibt der Ostwind? Er fällt dieses Frühjahr aus. Stattdessen sagt der Wetterbericht für morgen West bis Nordwest Stärke 5 bis 6 voraus und genau so wird es auch. Somit wird ein Landgang geplant. Vor dem Hafenbüro stehen kostenlos Fahrräder bereit, wir suchen uns etwas Passendes aus und los geht es. Cuxhaven ist ein sehr schöner Kurort. Wir radeln in das Zentrum und bummeln durch die Fußgängerzone. Auf dem Rückweg kaufen wir noch Brot und Gemüse. Im leichten Nieselregen schieben wir die Räder den Deich hinauf und gehen an Bord. Weil es kalt ist, 11° C, schalten wir die Heizung ein. Nach einer halben Stunde ist es in der Kajüte gemütlich warm, das hebt die Stimmung.

Mi, 14.05. und Do, 15.05. Cuxhaven, Liegetage

Windstärke und Windrichtung bleiben leider bestehen. Bei klarem Himmel hätten wir Vollmond, also Springtide. Peter berechnet die Route und legt die Wegepunkte für die Fahrt nach Westen in die Nähe der grünen Tonnen. Ich radele am Deich entlang. In der Ferne sieht man im Dunst die Insel Neuwerk. In diese Richtung wollen wir morgen fahren. Der Wetterbericht sagt West 2 bis 3, auf Ost bis Südost drehend voraus, das klingt gut. Wir legen die Abfahrtszeit auf 10.00 Uhr fest. Die Liegegebühr für 3 Nächte beträgt 24,00 €.

Fr, 16.05. Cuxhaven

10.00 Uhr legen wir ab, bei noch auflaufendem Wasser. Der Wind weht schwach aus West und wir fahren mit Motor 3 kn über Grund, wie geplant außerhalb der grünen Tonnen.
13.30 Uhr sind wir bei Neuwerk. 18.30 Uhr dreht der Wind auf Ost, leider nur mit Windstärke 2. Wir wollen noch unter Motor das Weser- und Jadefahrwasser der Großschiffahrt queren und dann in der Küstenverkehrszone versuchen zu segeln. 19.30 Uhr fahren wir mit Genua und Motor 6 kn und haben Langeoog querab. 21.45 Uhr fahren wir ins Dovetief bei auflaufendem Wasser mit Motor. 22.00 Uhr passieren wir das Tonnenpaar gn D 1 und r D 4. Es ist schon dunkel und der Wind hat zugenommen. 23.00 Uhr machen wir in Norderney am ersten Schwimmsteg fest. Wir sind froh, daß wir nach 71 sm im sicheren Hafen liegen.

Sa, 17.05. Norderney

Der Wetterbericht verspricht uns um 6.40 Uhr bis heute 24.00 Uhr Südost 5, rechtdrehend 4. Ob wir von dem schönen Ostwind noch profitieren können? Die Abfahrtszeit wird erst am Mittag sein. Nach dem Frühstück und einem kurzen Landgang melden wir uns im Hafenbüro an, die Liegegebühr beträgt 11,60 €. 13.15 Uhr legen wir bei Südwest um 3 ab und fahren durch den Schluchter auf die Nordsee. 17.30 Uhr bringt eine graue Wolke Regen und Wind aus West Stärke 5 bis 6. Das Großsegel und die Genua werden gerefft, es geht schnell und problemlos. 18.10 Uhr nimmt der Wind genau so schnell ab und wir fahren wieder Vollzeug. Nun sind wir am Borkumriff und wollen abkürzen. Das haben wir im Vorjahr auch gemacht. Wir bergen die Segel und fahren langsam mit Motor über das Hohe Riff. Es ist Springniedrigwasser und wir queren das Flach bei einer geringsten Wassertiefe von 3,90 m lt. Echolot. Es war sehr spannend. Nun fahren wir wieder im Fahrwasser und nähern uns der Fischerbalje. Wir nehmen noch die drei Tonnenpaare und haben bei Springniedrigwasser +0,6 m, das sind 3.00 m Wassertiefe in der Einfahrt zum „Schrotthafen“, so nennen wir den Yachthafen Borkum. Wir legen am östlichen Fingersteg auf der Westseite an, hier ist das Wasser am tiefsten. 21.15 Uhr beenden wir den Segeltag nach 29,5 sm.

So, 18.05. Borkum, Yachthafen

Wieder einmal beginnt der Tag mit dem Abhören des Wetterberichtes. Wieder nicht der ersehnte Ostwind, sondern Süd bis Südwest 5 bis 6, es ist wie verhext. Aber wir können nichts daran ändern und beschließen einen Liegetag einzufügen. Da Borkum der letzte deutsche Hafen ist, telefonieren wir noch mal mit den Kindern und der lieben Nachbarin, die zu Hause den Briefkasten leert. Das Hafenbüro ist geschlossen und so bezahlen wir in der Gaststätte 9,00 € Liegegebühr für eine Nacht. Peter holt mein Fahrrad aus der Backskiste und ich radele in den Ort, immer auf dem Deich entlang. Man hat einen wundervollen Blick über das trocken gefallene Watt. Peter ist nicht in Stimmung, er hadert mit dem Schicksal und bleibt im Hafen. Wir können die Windrichtung sehr gut an der großen Windkraftanlage am Ufer erkennen. Im ehemaligen Bundesschutzhafen gleich nebenan liegen auch einige größere Boote am schwimmenden Bollwerk. Hier hat auch das ehemalige Feuerschiff „BORKUM RIFF“ seinen Liegeplatz. Am Abend warten wir gespannt auf den Wetterbericht um 21.05 Uhr. Für morgen mittag kündigt er für die Deutsche Bucht Südwest bis Süd 4 und für die südwestliche Nordsee Südwest bis Süd 5 bis 6, abnehmend 4 an. Es klingt ganz gut, schnell verschwinden wir in der Koje, es wird eine kurze Nacht.

Mo, 19.05. Borkum, Yachthafen

03.30 Uhr, die Uhrzeit ist günstig zum Ablegen bei ablaufendem Wasser. Hier im Hafen weht der Wind aus Süd bis Südwest mit Stärke 4. Wir holen die Festmacher ein und los geht’s. Mit Motor und Großsegel mit einem Reff fahren wir durch die 3 Tonnenpaare mit Hilfe der Taschenlampe bis zur hell leuchtenden Fischerbalje. Die Windstärke 10-11 m/s entspricht 5 Beaufort aus West, das heißt gegen an. Wir wollen durch das Fahrwasser Hubertgatt fahren. In unserer Nähe ziehen drei Fischkutter ihre unberechenbaren Kreise. 05.00 Uhr wird der Wind stärker und große Wellen kommen genau von vorn. Wir stampfen uns fest, haben fast keine Fahrt, aber noch etwa 60 sm bis zum geplanten Ziel vor uns. Die Möglichkeit Schirmonnikoog anzulaufen bringt keine Vorteile. Deshalb beschließen wir schweren Herzens bei den Tonnen H 8 und H 7 nach Borkum zurückzukehren. Der Autopilot steuert zuverlässig und wir laufen 5 kn nur mit der Genua, einmal gerefft vor dem Wind. 07.30 Uhr sind wir wieder neben der Fischerbalje. 08.00 Uhr machen wir am großen Schwimmsteg im Burkana-Hafen nach 22 sm fest. Der Wind nimmt weiter zu. Wir sind froh, daß wir hier sind. Ich hebe die Bodenbretter an, um für das Frühstück die Kiwis aus der Vorratsdose zu nehmen, da bemerke ich Wasser in der Bilge. Nach einer Kostprobe steht fest, daß es Salzwasser ist. Es ist nicht sehr viel, gerade eine Tasse voll, aber es reicht, um alle Tetrapacks, die da unten lagern, zu durchnässen. Nun beginnt das große Rätselraten, woher kommt es? Wir vermuten, daß der Lüfterdeckel im Ankerkasten, der im Hafen immer herausgeschraubt wird, nicht mehr richtig dicht schließt. Durch das Eintauchen des Bugs in die Welle bei der Fahrt gegen an ist dann Wasser vom Ankerkasten in das Vorschiff gelaufen. Nach dem die Bilge wieder trocken ist, dichtet Peter den Lüfter-deckel mit Silikon neu ein. Starker Schwell läuft ins Hafenbecken. Peter baut einen Steg aus dem Fenderbrett, damit wir von Bord kommen. Wir machen eine Radtour in den Ort und bewundern den großen braunen Leuchtturm. Die Liegegebühr beträgt 8,00 €

Di, 20.05. Borkum, Burkana-Hafen

Nachts macht das Boot wilde Bocksprünge im Schwell. Gegen Mittag gehen wir hinüber zum Schrotthafen, hier ist es wesentlich ruhiger, trotzdem das Wasser schon kurz unter der sogenannten Mole steht. 13.00 Uhr beschließen wir in den Schrotthafen zu wechseln. Nun muß der Motor zeigen was er kann. Bei Westwind Stärke 6 bis 7 und Hochwasser fahren wir mit Vollgas aus dem Burkana-Hafen und schaffen es durch die schmale Einfahrt in das ruhige Wasser des Schrotthafens. 14.00 Uhr machen wir am Oststeg fest und sind sehr froh. Die Wellen schlagen über die Kaimauer, die Windkraftanlage dreht sich wie wild! Mit uns liegt nur noch ein Gästeboot im Hafen.

Mi, 21.05. Borkum, Yachthafen, Liegetag

Der Wetterbericht verkündet wieder einmal Windstärke 4 bis 5 zunehmend 6 aus Südwest bis West, dazu gibt es seit dem frühen Morgen als I-Tüpfelchen Dauerregen bei 10° C. Wir bleiben im Hafen, sogar der Landgang fällt ins Wasser. Die Heizung spendet angenehme Wärme und wir spielen ein paar Runden 66. Morgen soll das Tief über Südschweden nach Osten ziehen.

Do, 22.05. Borkum, Yachthafen

04.15 Uhr schätzen wir nach einem Blick auf die Windkraftanlage die Windrichtung und Windstärke als günstig ein. Peter schaltet die Geräte an. Süd bis Südwest Stärke 4 zeigt der Windmesser. Schnell sind wir in den warmen Sachen. 04.30 Uhr legen wir ab und fahren mit Motor bei Nieselregen in den trüben Morgen. Im Hubertgatt setzen wir die Segel und fahren hart am Wind 4 kn. 08.00 Uhr haben wir Schiermonnikoog quer ab, haben also die deutschen Gewässer verlassen. Während der Frühstücksvorbereitung hebe ich ein Bodenbrett hoch und entdecke wieder Wasser in der Bilge. Es lag also nicht am Lüfterdeckel. Wir müssen versuchen den Ankerkasten von oben abzudichten, damit er nicht bei jedem Eintauchen in die Welle volläuft. Peter klemmt eine Plastiktüte unter die Gräting des Ankerkastens, mal sehen, ob es was nützt. Alles Weitere können wir erst im Hafen untersuchen. 10.30 Uhr haben wir Ameland querab. 12.30 Uhr sind wir am Bornriff. Der Wind hat auf Südwest gedreht und weht weiterhin mit Stärke 4. Unser Kurs entlang der Insel Terschelling ist auch Südwest, also kreuzen – welche Freude! 14.30 Uhr bemerkt Peter nach einer Wende, daß das Achterliek der Genua kaputt ist!! Schnell starten wir den Motor und rollen die Genua ein, damit der Schaden nicht noch größer wird. Nach einer Viertelstunde bergen wir auch das Großsegel und fahren nur mit Motor direkt gegen den Wind. Die Insel Vlieland ist unser Ziel. Terschelling ist mit 30 km die längste Insel der Westfriesischen Inseln. Viele Gefährliche Untiefen sind der Küste vorgelagert. Erst als die Insel achteraus liegt, können wir in das betonnte Fahrwasser des Stortemelk einbiegen. Es ist unterdessen 20.00 Uhr, der Wind bläst aus West mit Stärke 4. Die Wellen kommen von hinten.21.00 Uhr sind wir in der Abdeckung der Insel Vlieland, die Fahrt wird merklich ruhiger und wir können ohne Gefahr die niederländische Gastflagge setzen. In der Hafeneinfahrt erfasst uns noch mal eine Böe von der Seite. 21.15 Uhr machen wir im Hafen von Vlieland am Steg 7 nach 75 sm fest. Es ist wieder Salzwasser in der Bilge!

Fr, 23.05. Vlieland, Liegetag

Ein Regenschauer zieht über den Hafen, der Wind scheint ziemlich stark zu wehen. Davon merken wir aber durch die Landabdeckung nicht all zu viel. Wir wollen nun erst mal die Genua trocknen und den Schaden begutachten. Vom Hafenmeister erfahren wir, daß es im Ort einen Segelmacher gibt, der kleine Schäden repariert. In einer Regenpause lassen wir das Segel auswehen und schlagen es ab. Dabei sehen wir, daß das gesamte Achterliek durch die UV-Strahlung gelitten hat und erneuert werden muß. Das kann nur in Den Helder gemacht werden. Nun kümmern wir uns erst mal wieder um den Wassereinbruch. Der Lüfter und der Lüfterdeckel werden noch einmal mit Silikon abgedichtet, die Tetrapacks und die Konserven werden umgebunkert. Die Stimmung ist am Boden. Südwestwind Stärke 5 verkündet der Wetterbericht. Wir gehen in den Ort und um einzukaufen. Ganz begeistert sind wir von der wunderschönen Allee und den vielen hübschen alten Häusern mit urigen Kneipen und Andenkengeschäften. Beim Bäcker suchen wir vergebens nach Roggenbrot wie in Deutschland gewohnt, statt dessen gibt es gummiartiges weiches Backwerk, ade Sauerteig! Im Hafenbüro bezahlen wir für zwei Nächte 24,48 € Liegegebühr, der Schiffseigner heißt „De heer Fuchs“, das klingt lustig.

Sa, 24.05. Vlieland

Der Wind hat sich gelegt, das Wetter ist ganz freundlich. Wir machen einen Rundgang im Hafen, ich gehe zum Strand und Peter berechnet an Bord die neue Route. Wir wollen durch die westliche Waddenzee nach Oudeschild und weiter nach Den Helder motoren. Dabei ist wichtig, daß man bei Hochwasser im Fahrwasser Oude Vlie bei der roten Spiere SO 38 am Waddenhoch ist, das ist heute 16.45 Uhr. 13.45 Uhr ist die ideale Abfahrtszeit. Mit auflaufendem Wasser legen wir ab. Zur gleichen Zeit fährt auch eine Hamburger Jacht aus dem Hafen, die das gleiche Ziel hat wie wir. Natürlich wollen sie segeln und fahren deshalb raus auf die Nordsee. Die Wasserfläche sieht sehr groß aus, trotzdem müssen wir innerhalb der Tonnen im tiefen Wasser fahren, das kennen wir ja von unserem Heimatrevier, den Boddengewässern. Wir fahren mit dem Flutstrom bei schwachem umlaufenden Wind. In der Ferne sehen wir erst steuerbord, dann voraus ein merkwürdiges Gestell im Wasser. Es bewegt sich nicht. Schließlich lassen wir es backbord und fahren dicht daran vorüber, es sieht aus wie eine Bohrinsel. 16.45 Uhr sind wir pünktlich im Oude Vlie. Gespannt sehen wir auf das Echolot. An der flachsten Stelle haben wir noch 3,50 m Wassertiefe, das sind 1,80 m unter dem Kiel, das reicht uns. Unser Boot ist für Fahrten im Wattenmeer eigentlich nicht geeignet, es hat einen Kurzkiel mit 1,70 m Tiefgang. 19.00 Uhr liegt Oudeschild querab, es ist ein hübscher Ort mit Kirche und Windmühle. Der Ebbstrom schiebt uns und wir fahren mit 7 kn unserem Ziel, Den Helder, entgegen. Wir verlassen den Texel-stroom und die Waddenzee. 20.00 Uhr machen wir im Jachthafen des Koninklijke Marine Jachtclub Den Helder fest. Für die Distanz von 39 sm waren wir ziemlich schnell. Eine halbe Stunde später kommt die Hamburger Jacht, die über die Nordsee gefahren ist in den Hafen.

So, 25. 05. Den Helder, Liegetag

Die nette Hafenmeisterin fragen wir nach einem Segelmacher. Es gibt nur einen. Sie druckt uns einen Stadtplan und gibt Namen und Adresse an. Peter macht die Klappräder flott und wir radeln los. Wir finden den Segelmacher, nun wissen wir wo wir morgen mit dem Segelsack hin müssen. Außerdem brauchen wir ein Stück Sperrholz als Abdeckung für den Ankerkasten. Es gibt mehrere Bootswerften bei denen wir danach fragen können. Auf dem Heimweg fahren wir in das Stadtzentrum. Wir sind überrascht von dem Trubel. Es ist Sonntag, alle Geschäfte sind geöffnet. Viele Stände sind aufgebaut. Jung und Alt amüsiert sich auf allen Straßen in der Fußgängerzone. Den Abend verbringen wir mit gemischten Gefühlen. Wir müssen wegen der Segelreparatur sicher noch ein oder zwei Tage hier bleiben. Leider sagt der Wetterbericht einen für uns optimalen Wind voraus, das hebt auf keinen Fall unsere Stimmung.

Mo, 26.05. Den Helder, Liegetag

Auf geht’s zum Segelmacher, zwei weibliche Wesen begutachten den Schaden. Peter möchte gern eine neue breite Bahn am Achterliek mit neuem Kopf und neuem Schothorn. Trotzdem wir kein niederländisch verstehen kriegen wir mit, daß das nicht geht. Es ist kein Segeltuch vorhanden und vor allem dauert so eine Reparatur sehr lange, weil viel Handarbeit nötig ist. Eine Möglichkeit ist, einen Streifen als Verstärkung aufzukleben, etwa 10 cm breit. Zum Glück kommt der zweite Hafenmeister des Jachthafens. Er übersetzt unsere Bedenken und legt ein gutes Wort für uns ein.
Das Argument, das Segel soll noch rund um England durchhalten und meine inständige Bitte haben dann doch dazu geführt, daß man uns helfen will. Wir einigen uns auf einen 25 cm breiten Streifen, durch zusätzliche Nähte verstärkt. In einer kleinen Jachtwerft bekommen wir ein Stück 5 mm dickes Sperrholz aus der Abfallkiste. Wir bedanken uns herzlich bei dem freundlichen Werftbesitzer. Nun sieht die Welt gleich viel freundlicher aus. Peter baut eine provisorische Abdeckung für den Ankerkasten.

Di, 27.05. Den Helder, Liegetag

Es ist schönes Wetter, östlicher Wind um 4 und wir sitzen im Hafen. Mit den Fahrrädern erkunden wir die Gegend, immer am Deich entlang bis zum Leuchtturm und zurück durch Dörfer, Felder und Wiesen. Das Marinemuseum soll sehr interessant sein, aber wir haben keine Lust zu einer Besichtigung. Heute ist im Seglerhafen bei den einheimischen Seglern reges Treiben. Ausrüstungsgegenstände und Proviant werden gebracht und auf mehreren größeren Jachten verstaut. Seekarten, schweres Ölzeug und Stiefel deuten auf eine größere Reise hin. Wir werden von diesen Vorbereitungen angesteckt, denn morgen, am Mittwoch, soll unser Segel gebracht werden und wir können  endlich weiter fahren. Peter überprüft den Ölstand und reinigt die Motorbilge, dann tanken wir 72 l Diesel für 63,00 €.

Mi, 28.05. Den Helder, Liegetag

Nach dem Frühstück fahre ich einkaufen in die Stadt. Mein kleiner Rucksack leistet mir gute Dienste. 3 Brote, Bananen, frische Wurst und Gemüse lassen sich gut transportieren. Peter empfängt den Wetterbericht mit der 5 Tage Vorhersage. Der Wind weht mit 3 bis 4 aus Ost und so soll es auch bleiben. Die Abfahrt ist für morgen früh geplant. Am Nachmittag wird das Segel gebracht. Es sieht sehr gut aus, der Preis ist angemessen, wir bedanken uns. Das Segel wird angeschlagen und die Schoten eingebunden. Der Wind weht aus einer so günstigen Richtung, daß wir beschließen morgen früh nach England aufzubrechen. Das kommt mir ein bißchen plötzlich, eigentlich wollten wir entlang der Küste nach Scheveningen, aber die Wetterbedingungen sind ideal für die Überfahrt. Von Den Helder nach Lowestoft beträgt die Entfernung ungefähr 130 Seemeilen. Wir bezahlen die Liegegebühr für 5 Nächte a 10,63 € und bunkern Wasser. Am Abend legen fünf niederländische Segeljachten ab und werden lautstark verabschiedet.

Do, 29. 05. – Himmelfahrtstag, Den Helder

06.00 Uhr fällt bei blauem Himmel und Sonnenschein das Aufstehen leicht. Schnell bereite ich das Frühstück zu. Peter schaltet den Computer ein, es erscheint die Seekarte mit der Route nach der wir heute fahren werden. Zur gewohnten Zeit hören wir noch einmal den Wetterbericht. 07.00 Uhr holen wir die Festmacher und die Fender an Bord, verabschieden uns vom Hafenmeister und legen ab. Bei Nordostwind 1 bis 2 tuckern wir aus dem Hafen. Draußen setzen wir die Segel. Der Strom schiebt uns und wir erreichen 5 kn. Zuerst geht die Fahrt genau nach Westen, um den ersten Tiefwasserweg an einer möglichst schmalen Stelle zu queren. Zum Glück gibt es wenig Großschiffahrt. 10.30 Uhr gehen wir auf 250°, unseren Generalkurs bis zum Standford Channel vor der englischen Küste. Wir rollen die Genua ein und setzen den Blister. Der Wind weht sehr gleichmäßig mit Stärke 2 aus Nordost bei blauem Himmel und Sonnenschein. Wir kommen an mehreren Bohrplattformen vorüber, nach leichten Kursänderungen passieren wir sie im vorgeschriebenen Abstand. Gegen 15.00 Uhr, der Wind ist schwächer geworden, starten wir den Motor um etwas schneller voran zu kommen. 17.30 Uhr brauchen wir den Motor nicht mehr, es bläst wieder mit 3 bis 4. Nach dem Überqueren des Flaches Brown Ridge nähern wir uns dem zweiten Tiefwasserweg, den ein Teil der Großschiffahrt als sicheren Weg von der Nordsee nach Antwerpen und zu den großen, belgischen und englischen Häfen benutzt. 18.30 Uhr flattert plötzlich ein kleiner Vogel um unser Boot und läßt sich nach mehreren Anläufen auf dem Vorschiff nieder. Er trippelt umher und sucht sich ein geschütztes Plätzchen um auszuruhen. Unser blinder Passagier ist ein Sandregenpfeifer, ein Küstenvogel, der sich aufs Meer verirrt hat. 19.30 Uhr passieren wir den dritten Tiefwasserweg. Zwei große Frachter sind noch in weiter Ferne. Der blinde Passagier hat unser Boot verlassen und ist in der Dämmerung verschwunden. Nach dem Abendbrot lege ich mich in die Koje. Leider kann ich unterwegs selten schlafen. 01.30 Uhr bin ich wieder einsatzbereit, es ist immer noch nicht stockfinster. Trotzdem bergen wir den Blister und fahren nur mit dem Großsegel weiter, um eine gute Sicht nach allen Seiten zu haben, der Motor läuft mit. Nach einer halben Stunde bergen wir auch das Großsegel. Peter legt sich auf das Salonsofa und versucht etwas zu schlafen. 06.00 Uhr ist es schon ziemlich hell, Morgennebel liegt über der Wasserfläche. Der Wind hat  aufgefrischt und wir setzen wieder die Segel. Mehrere Fischkutter begegnen uns, es sind sichere Vorboten der nahen Küste. 07.10 Uhr setzt Peter in winterlichem Outfit, Daunenjacke, Lifthose und Pudelmütze die nagelneue Gastflagge – ein tolles Gefühl!

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Wir bergen die Segel und fahren weiter mit Motor. 07.45 Uhr sind es nur noch 9 sm bis zur Küste. Noch ist England nicht in Sicht. Wir begegnen mehreren Segelboten, die nach Norden oder Süden entlang der Küste unterwegs sind. Nun sehen wir auch unseren Wegpunkt, die rote Leuchttonne E Newcome, wir lassen sie steuerbord und fahren zur grünen Tonne SW Holm im Standford Channel, dann zur roten Tonne N Newcome und schließlich auf die Hafeneinfahrt zu. Vor uns fährt ein kleines Segelboot in den Jachthafen. Es zeigt uns den Weg, so brauchen wir ihm nur zu folgen. 10.05  Uhr  machen  wir  im Royal  Norfolk &  Suffolk Yachtclub,  Lowestoft nach 27 Stunden und 127 gefahrenen sm fest. Trotz der frühen Stunde gibt es einen „Anleger“, den haben wir uns verdient! Wir stellen unsere Uhren eine Stunde zurück. Beim Computer geht das automatisch. Bei einer Stegwanderung entdecken wir die niederländischen Segeljachten aus Den Helder. Ein Skipper erzählt uns, daß sie an einer Regatta teilnehmen. Aus diesem Grund gibt es einen festlichen Empfang, der heute abend im Klubhaus stattfindet. Morgen fahren sie wieder zurück. Wir berichten von unseren Reiseplänen und wünschen uns gegenseitig gute Fahrt. Der Hafenmeister hat sein Büro mitten im Hafen in einem Container, wir bezahlen 13,60 £ für eine Nacht und erhalten den Zahlencode für das Tor. Nun machen wir uns landfein und es beginnt das Abenteuer England. Die erste Hürde ist der Linksverkehr. Als Fußgänger vom Kontinent schaut man vor dem Überqueren der Straße zuerst nach links, dann nach rechts. Für die nächsten drei Monate müssen wir umdenken. „Look right“ steht auf der Fahrbahn. Danach fallen uns die kleinen Reihenhäuser mit den vielen Schornsteinen auf.

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Nicht weit entfernt beginnt Lowestoft´s Historic High Street, eine belebte Fußgängerzone. Es gibt viele Restaurants und Pubs, Geschäfte und zwei Supermärkte, wir begutachten die Preise und rechnen in Euro um. Ich kaufe Briefmarken und eine Telefonkarte, um von einer der nostalgischen roten Telefonzellen aus den Daheimgebliebenen mitzuteilen, daß wir glücklich an der englischen Ostküste gelandet sind.

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Auf dem Rückweg zum Hafen haben wir einen herrlichen Blick auf die weite blaue Nordsee. Am Strand herrscht schon sommerlicher Badebetrieb. Im Jachthafen werden Boote zu Wasser gelassen und aufgeriggt. Die Segler trinken ihr Bier auf den Freisitzen vor dem Clubhaus. Den Abend werden wir in unserem gemütlichen Cockpit bei einem guten Tropfen genießen. 20.05 Uhr englischer Zeit empfangen wir den deutschen Wetterbericht in guter Qualität und mit für uns guten Aussichten, Südost bis Ost Stärke 3. Jetzt würde uns auch kein Westwind mehr stören. Morgen beginnt unsere Fahrt nach Norden. Peter hat schon einige Häfen ausgewählt, die wir mit unserem Tiefgang problemlos anlaufen können. Der nächste Hafen, Great Yarmouth, ist nur knapp 10 sm entfernt. Wir werden nach dem Mittagessen starten.

Sa, 31.05. Lowestoft

Der Kapitän berechnet die Route und ich gehe noch mal einkaufen. Das Wichtigste ist, daß immer genügend Brot für 3 bis 4 Tage an Bord ist. Bei Somerfield gibt es Bratwürste, die sehr appetitlich aussehen, Gemüse, Tomaten, Bananen und die Vitaminspender Kiwi kaufe ich bei Tesco. Auf dem Rückweg sehe ich ein ALDI Schild, in Kürze wird in Nähe des Hafens eine Filiale eröffnet. 14.00 Uhr legen wir ab. Lowestoft ist ein sehr schöner Hafen. Der Strom schiebt uns. Wir setzen die Segel und fahren mit 6 kn entlang der Küste. Die heutige Etappe unserer Reise wird nur kurz. Der Hafen, der unser Ziel ist, ist sehr sicher und hat tiefes Wasser. In der Ferne taucht ein eigenartiges rotes Schiff auf. Als wir näher kommen, sehen wir, daß es rückwärts aus dem Hafen kommt, den wir anlaufen wollen. Es dreht vor der Hafeneinfahrt ziemlich schnell und fährt Richtung offene See davon. Wir bergen die Segel und fahren langsam mit Motor weiter. Weil wir am Signalmast ein rotes Licht sehen, rufen wir über VHF Kanal 12, und fragen, wann wir einlaufen können. In dem Moment kommt ein Lotsenboot aus dem Hafen, die Mannschaft sagt uns, daß wir 15 Minuten warten müssen, denn es kommt noch so ein rotes Monster aus der schmalen Einfahrt, wieder rückwärts. Schnell entfernen wir uns einige Kabel, um nicht in den Wendekreis des Schiffes zu geraten. Der Hafen ist die Mündung des River Yare. Rechts und links sind Kaianlagen. Hier befinden sich Liegeplätze der roten Versorgungsschiffe für die Ölplattformen in der Nordsee und auch die Lotsenstation. 17.15 Uhr sind wir, nach etwa 2 sm, an dem eingezeichneten Liegeplatz in Great Yarmouth kurz vor einer Brücke angekommen. Mit Fendern und Fenderbrett legen wir an einer häßlichen rostigen Spundwand an. Zu den beiden kurzen Festmachern kommen zwei 35 m lange, die für solche Situationen vorgesehen sind. Nach einem Landgang ist uns nicht zu Mute, der Ort sieht ziemlich trostlos aus. Genau 7,2 sm sind heute gefahren, mit Schiebestrom. Unterdessen ist es 17.30 Uhr. Wir liegen sehr ruhig und sicher trotz Tidenhub und starker Strömung. Peter berechnet die Route für morgen und hört den Wetterbericht. Es bleibt beim Ostwind um 3.

 So, 01.06. Great Yarmouth

Niemand kassiert eine Liegegebühr. Nach dem Frühstück bereiten wir die Abfahrt vor. 10.00 Uhr machen wir die Leinen los, verstauen sie zum trocknen in der Plicht, ob das was wird? Es regnet! Auch das Fenderbrett kommt an seinen Platz. 10.30 Uhr verlassen wir den Hafen bei „grün“ am Signalmast. Es ist fast Hochwasser, der Wind weht aus Südost um 3. Das Ufer ist etwa zwei Meilen entfernt. Im Dunst erkennt man Hafenanlagen und mehrere Anleger. In der Seekarte steht „Wellington Pier“ und „Britannia Pier“, großtrabende Namen, leider im Flachwasser. Nach einer Stunde kommt die Sonne zum Vorschein und mit einem Mal sieht die Küste viel schöner aus. 12.15 Uhr haben wir Stillwasser, Wolken ziehen auf und es donnert in der Ferne. Ein warmer Regen rieselt sanft aus dem Grau. Der Wind dreht und kommt mit 2 Windstärken aus Südwest. Wir bergen die Segel und starten den Motor, um schneller voran zu kommen. Nun nähern wir uns der Küste auf eine Meile. 15.45 Uhr ist Cromer querab, malerisch steht der weiße Leuchtturm auf der Steilküste . 18.30 Uhr sind wir an der Ansteuerungstonne Blakeney, danach geht es entlang der grünen Tonnen im Blakeney Channel zum Ankerplatz „The Pit“. 19.00 Uhr loten wir die Wassertiefe und an der tiefsten Stelle mit 4,5 m, machen wir an einer Mooring fest. Wir sind 53,9 sm gefahren. Eine liebliche Landschaft umgibt uns. In einiger Entfernung liegen Seehunde auf einer Sandbank. Viele Moorings sind belegt. Wir freuen uns über den schönen geschützten Ankerplatz. 22.00 Uhr gehen wir in die Koje, die Wasserfläche ist jetzt sehr groß, es ist kurz vor Hochwasser. 01.00 Uhr wache ich auf. Ein eigenartiges Geräusch hat mich geweckt. Die Bücher im Bord über meinem Kopf haben „klack“ gemacht. Beim Aufstehen in der Dämmerung sehe ich die Geschirrtücher an der Kajütrückwand schräg hängen. Im Nu bin ich hell wach und wecke den Kapitän. Es ist eindeutig – das Boot liegt schräg. Trockenfallen, das ist uns noch nie passiert. Zum Glück ist es windstill, im Licht der Taschenlampe sehen wir überall Land und wir mitten in einem kleinen Restsee. Die größte Sorge bereitet uns das Ruder, es läßt sich zum Glück leicht bewegen. Peter rechnet aus, daß das Wasser noch bis 04.00 Uhr fallen wird. Nach einer Stunde Wache beschließen wir uns hin zu legen, tun können wir sowieso nichts. Die Frage ist nur wohin? Wir betten uns auf der Bordwand, Peter im Salon und ich im Vorschiff. 04.15 Uhr haben wir Niedrigwasser und 45° Schräglage. Sonst ist nichts Beunruhigendes passiert, also versuchen wir noch mal zu schlafen.

Mo, 02.06. Blakeney

06.30 Uhr schwimmen wir wieder, das Wasser steigt sehr schnell. Unsere Nachbarn liegen noch hoch und trocken, wir hatten die tiefste Stelle gefunden. 07.00 Uhr legen wir nach einem schnellen Frühstück von der Mooring ab und fahren bei 1,5 kn Gegenstrom mit Vollgas ins freie Wasser. Das Wetter ist nicht sehr erheiternd, Regen bei Südwest 3 bis 4. 09.00 Uhr setzen wir die Segel. Der Regen hört auf und der Himmel wird hell. Wir haben immer noch 1 kn Gegenstrom. Unsere heutige Route führt uns nicht entlang der Küste sondern wir überqueren „The Wash“, das Fahrwasser nach Boston. 11.45 passieren wir den Wegpunkt Inner Dowsing. Wir sind 26 sm gesegelt, 19 sm lt. Karte. 15.30 Uhr haben wir endlich Schiebestrom und brauchen den Motor nicht mehr. Langsam nähern wir uns nun wieder der Küste. 16.00 Uhr fahren wir in die breite Humbermündung nur mit Motor gegen den Wind. Wir passieren die Untiefentonne BULL, gelb/schwarz, ein kleines Schiffchen ausgerüstet mit Nebelhorn, ein Zeichen dafür, daß es hier oft Nebel gibt.

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Unser Ziel ist Grimsby. Der Jachthafen und der Fischereihafen lie-gen hinter einer Schleuse, die zwei Stunden vor und nach Hochwasser offen sein soll. Wir folgen einem Fischkutter. Erst im letzten Moment sehen wir die schmale Einfahrt zur Schleuse. Die Lichter am Signalmast leuchten vertikal grün/weiß/grün, die Einfahrt ist erlaubt. 18.15 Uhr machen wir an einem Schwimmsteg nach 54,3 sm fest. Die Stege sind noch im Bau, überall liegen Teile aus Alu und Kunststoff auf den Pontons. Die Marina wurde mitten in einem alten verkommenen Industriehafen gebaut. Der Blick auf die nähere Umgebung ist deprimierend. Überall Schrott und Schutt, verkommene alte Lagerhallen mit kaputten Dächern, ohne Fenster und Türen. Große verrostete eiserne Traversen mit Verladeeinrichtungen ragen über die Straßen, von den Speichern bis zu den ehemaligen Liegeplätzen der Frachtschiffe. In der Fish Dock Road wird in alten baufälligen Kühlhäusern sogar noch Fisch verarbeitet. Man fühlt sich 50 Jahre zurück versetzt.

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Vom Hafenmeister bekommen wir den Code für das Tor und den Sanitärcontainer, außerdem einen aktuellen Wetterbericht und die Farbkopie eines Stadtplanes. Er zeichnet uns auch den nächsten Supermarkt ein. Wir bedanken uns für den guten Service und bezahlen die Liegegebühr für 2 Nächte je 9,62 £.

Di, 03.06. Grimsby, Liegetag

Nach uns ist ein kleines Segelboot aus Schweden angekommen, man trocknet diverse Sachen. Die Schweden, Vater und Sohn, befahren die englische Küste von Nord nach Süd. Wir tauschen Informationen über die jeweilig letzten Liegeplätze aus. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg in die Stadt, bewaffnet mit Kamera, Stadtplan und Einkaufszettel. Peter macht einige Fotos von den maroden Gebäuden und Hafenanlagen, die uns sehr an den Stralsunder Hafen vor der Wende erinnern. Als wir den Hafenbereich verlassen wollen, sagt uns ein Beamter, der in seiner Baracke am Schlagbaum sitzt mit Hinweis auf unsere Kamera, daß wir eine Fotoerlaubnis brauchen. Er beschreibt uns den Weg zum Hafenamt. Dort werden unsere Daten in den Computer eingegeben und eine „VISITORS / PHOTOGRAPHIC PERMIT“ wird ausgedruckt, personengebunden und gültig für einen Tag. Sicherheit wird in England sehr ernst genommen, das erinnert uns an alte Zeiten in der DDR. Der Beamte am Schlagbaum ist zufrieden und wir machen uns auf den Weg in die Stadt. Wir erleben eine angenehme Überraschung. Grimsby hat ein wunderschönes Stadtzentrum mit einer Einkaufspassage, der „Market Hall“, schmucken alten Häusern, verwinkelten Straßen mit vielen Geschäften und Pubs. Auf dem Rückweg kaufen wir gut und günstig bei ASDA ein. Am Hauptsteg im Yachthafen liegt ein eigenartiges Boot, ganz schmal und etwa 10 bis 15 m lang, es besteht fast nur aus Kajüte. Der Eigner ist gerade dabei es kunstvoll zu bemalen. Wir erfahren, daß es ein Narrowboat ist. Solche Wohnboote fahren auf den Flüssen und den zahlreichen Kanälen in England und sind sehr beliebt. Am Nachmittag berechnet Peter die Route für morgen. Der nächste Hafen ist ca. 80 sm entfernt und wir werden, da es Wetter und Wind erlauben nur bis zur Filey Bay fahren, um dort zu ankern. 17.55 Uhr hören wir zum ersten mal von BBC the Shipping Forecast mit Wetterlage und Vorhersagen für die Seegebiete bis morgen. Für Humber und Themse wird Südwest um 3 verkündet. Wir müssen uns erst daran gewöhnen, daß der Wetterbericht so schnell und natürlich englisch verlesen wird.

Mi, 04.06. Grimsby

09.00 Uhr legen wir im Jachthafen Grimsby bei Hochwasser ab. Die Schleuse ist offen. Wir haben Südwestwind Stärke 2, es ist diesig. Wir fahren zur nächsten roten Fahrwassertonne, auch in Form eines Schiffchens mit Namen 4 A CLEENESS, um ein Foto zu machen.

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Nun setzen wir die Segel und fahren durch den Bull Channel aus der Humbermündung auf die Nordsee. Es geht an Spurn Head vorbei in Richtung Norden entlang der Küste, die jetzt immer steiler wird. Oben auf dem grünen Hochland stehen vereinzelt graue Häuser aus Sandstein, dem vorwiegenden Baumaterial. Da auch die Dächer mit grauem Schiefer gedeckt sind, machen die Häuser einen tristen, traurigen Eindruck, was für die oft halb verfallenen Castles ganz passend erscheint. Dafür zeigt sich im Wasser und an den Felsen reges Leben. Viele Vögel haben hier ihr Brutrevier. Am auffälligsten sind die niedlichen kleinen Papageientaucher mit ihren roten Schnäbeln, die schwarzen Alke mit roten Beinen und die großen schlanken Baßtölpel, die im Sturzflug ins Wasser eintauchen und nach ihrer Beute jagen. Auf dem Hochufer tauchen auch ab und zu Ortschaften auf, alle im dezenten Grau. Dazu gehören trockenfallende kleine Häfen und eine große Anhäufung von Urlauberhütten, alle mit Nordseeblick. Für die Bewohner ist das sicher sehr schön, aber vom Wasser aus ist es ein trostloser Anblick. 15.15 Uhr bergen wir die Segel und starten den Motor, weil der Wind eingeschlafen ist. 17.00 Uhr überfahren wir den 0-Meridian, 00°00´00 E, zur Feier gibt es einen Cherry. Die Steilküste wird felsig und zerklüftet. In der Bucht liegt Bridlington, wieder mit einem trockenfallenden Hafen. Nun nähern wir uns Flamborough Head, einer imposanten Landspitze, weit ins Meer hervorspringend, gekrönt von einem mächtigen Leuchtturm. Viele Vögel nisten in den steilen Felswänden. In der Luft umkreisen sie uns laut schreiend. Auf dem Wasser tauchen sie blitzschnell ab und zeigen uns Ihre weiße Unterseite und die intensiv roten Füße. 19.00 Uhr können wir nach Umrundung des Kaps wieder segeln, bei Südostwind 2 bis 3. Das Steilufer wird nun wieder flacher und senkt sich zwischen mehreren Schluchten immer mehr. In einiger Entfernung sehen wir schon Filey in der Abendsonne. In der Bucht wollen wir ankern. Es ist fast windstill und nach dem Bergen der Segel fahren wir langsam mit Motor Richtung Hafen, der trocken fällt. 21.00 Uhr gleitet der Anker in das ruhige Wasser der Filey Bay, nach 50,7 sm bei 6 m Wassertiefe. Als wir im Cockpit sitzen und an Land die Lichter angehen, sehen wir ein tolles Panorama. Eine belebte Strandpromenade und viele hell erleuchtete Hotels und Restaurants, eingebettet in Grün. Eine breite Straße wird unmittelbar zur Slipbahn und führt direkt ins Wasser. Das Boot schaukelt in einer langen Restdünung, deshalb müssen wir alle Gegenstände sicher verstauen. In der Koje rollen wir immer hin und her, na dann „gute Nacht“.

Do, 05.06. Filey Bay

Unsere Fahrt nach Norden beginnt heute erst am Mittag, dann haben wir günstigen Strom. Der Wind weht aus Südwest mit Stärke 3. 12.15 Uhr holen wir den Anker auf und los geht es mit vollen Segeln. Das wird eine schnelle Fahrt. Der Strom schiebt uns und wir erreichen 7,8 kn.

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Die Steilküste ist noch hoch und zerklüftet. Die einzelnen Schichten haben ganz unterschiedliche Färbungen. Die höchste Erhebung ist Ravenscar, 263 m hoch. 13.30 Uhr haben wir Scarborough querab. Der Hafen sieht einladend aus, hat aber nur 1,80 m Wassertiefe, außerdem wollen wir ja nach Whitby. 13.45 Uhr haben wir Robin Hood´s Bay querab, ein ehemaliges Piratennest mit grün bewachsenen Schluchten. 16.00 Uhr fahren wir ganz nah an der Steilküste entlang, die Wassertiefe ist 7 m, einige vorgelagerte Klippen umfahren wir im Bogen fast bis zur Untiefentonne und dann sehen wir die Hafeneinfahrt von Whitby – ohne Wasser. 16.30 Uhr ankern wir in der Bucht vor der Stadt und warten auf Hochwasser. Hoch oben auf der Steilküste thront Whitby Abbey, eine mächtige Klosterruine.

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18.30 Uhr wird die Drehbrücke geöffnet. Wir fahren durch den Stadthafen, suchen uns einen Liegeplatz auf der linken Seite des Steges in der Marina und machen 18.45 Uhr, nach 19 sm in Whitby fest. Nach uns kommen noch mehrere Boote, eins davon, ein riesiges postgelbes aus den Niederlanden legt sich an uns Nußschale längsseits. Der Hafenmeister ist sehr freundlich. Wir kaufen Marken für Waschmaschine (1,70 £) und Wäschetrockner (0,85 £) für buntes und weißes, es wird höchste Zeit für die erste „Große Wäsche“ unterwegs. Die Liegegebühr für 2 Nächte beträgt 26,88 £. Der Abend ist sommerlich warm, wir sitzen im Cockpit und beobachten Boote und ihre Mannschaften. Whitby, früher ein berühmtes Seebad, liegt an der Mündung des River Esk und wir haben einen schönen Blick auf die vielen alten Häuser. Hier baute der berühmte Weltumsegler James Cook seine „Endeavour“, mit der er um 1770 zu Entdeckungsreisen aufbrach.

Fortsetzung folgt….